Monatsarchiv: März 2010

schreiben ist wie kochen

habe einen blogger kennengelernt mit dem ich mal vor jahren auf QYPE eine kleine differenz hatte, wie das unter kellnern und köchen, textern & autoren schonmal vorkommt. seit gestern weiß ich ein wenig mehr über den herrn. zb, dass er bei einem berühmten chef de cuisine in die lehre ging, dass er eine strenge und gute ausbildung genoss – das erklärt [mir] seinen stil des schreibens, ein sehr detailgenaues schreiben, das bei kultivierten feuilletonlesern geradezu reflexhafte verzückungen bewirkt.

das ist nachvollziehbar. besonders für menschen, die ein heidengeld in küchenutensilien und genussbildung investieren und abends in vorzüglicher gesellschaft, an gedeckten tischen die ernte ihres invests einfahren wollen – jene sehen sich durch raffiniert bereitetete texte in ihrem ansinnen reflektiert. dass mich, den kellner, manche rezeptur nur mäßig interessiert, tut nichts zur sache – selbst wenn ich manchen ausführungen durchaus amüsiert lausche, was gelegentlich als ermunterung verstanden wird.

und hier trennen sich ausbildungberuf und interessen. der koch, der viele schritte gehen muss um eine anständige suppe zu bereiten, der, wenn er glück hat und in gute hände gerät, eine schule der lebensgestaltung absolviert – und die des kellners, der viele kleine schritte zu laufen hat, der aufwendig bereitete gerichte ohne überschwappen vor dem gast abstellen können muss, der, in benimm und gehör ausgebildet, in mulmigen situationen an sich hält, bestellabläufe in einen analogen dialog ordnet, die erwartungen des gastes liest wie eine partitur …

wodurch also könnte sich das schreiben eines kellners von dem eines kochs unterscheiden? das habe ich mich gestern abend beim zusammensitzen mit stevan paul gefragt.  er, der detailtrainierte tüftler, der gelernt hat eine einfache kartoffelsuppe auf unzählig verschiedene arten zu würzen und in der endkonsequenz vermutlich die einfachere, bessere möglichkeit wählt. und ich, der ich in ergebener weise den gast umschmeichle, ihm ein gefühl des aufgehobenseins vermittle und nach begleichung der rechnung wieder vergesse. der ich ob meiner erziehung zu oberflächlichkeit und kurzstrecken neige, der mitten im umkehrschwung abbremst und das fenster zur welt wechselt, für das kind ein schnitzel klopft, zurückkehrt, eine ebennoch erdachte figur in einer schneelawine ertrinken lässt.

wenn sie gut sind und glück haben, bleiben beide in erinnerung, der koch & der kellner .. und ja, auch der gast, für den der ganze aufwand schließlich veranstaltet wird.

disclosure: damit kein missverständnis aufkommt. ich schätze die textur des herrn paulsen sehr, er ist ein meister der komposition!

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