Monatsarchiv: März 2009

gott lebt unter einer telefonzelle

heute in prenzlauerberg einem gottähnlichen menschen begegnet, einen heiligen mann gesehen. an ihm vorbeigefahren machte es bling, umgedreht, ihn um ein foto gebeten.

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er stand auf einer matte, auf nackten füßen, gewährte mir ein foto, eine kippe in der hand, wache augen, irisch gefärbte worte kamen aus seinem bart.

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ich gab mich routiniert, tat mich mit joyce und dylan thomas hervor, er konterte mit blake. habe ihm croissants und milch gekauft – dummerweise keine soja-milk, was ich eigentlich hätte ahnen können, menschen die sich hauptsächlich mit hochprozentigem ernähren, vertragen keine milch. habe geld gegeben. der mann mit der decke mit den astrologischen symbolen um die hüfte hat mich berührt. dass er sein quartier in der marienburgerstrasse aufgeschlagen hat, gab mir die gewissheit einer ich-weiß-nicht-wie-gearteten jesusbegegnung.

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sein name ist frank, born in south/west ireland, closed to warterford. meine fragen erheiterten ihn, er lebe seit zehn jahren auf der strasse – ten years now. lange in der schweiz, im berner oberland, mit blick auf mönch und jungfrau.

man muss ein sehr besonderer mensch sein, um so zu leben. ich werde ihm die erste seite in meinem roman widmen. slainter!

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christoph azone beantwortet fragen

Ich wache fast jeden Morgen mit ihr auf, sie ist mir seit Jahren vertraut, ihre oft sarkastische Melodie dringt in meinen Resonanzkörper und erzeugt ein gutes Gefühl. Die Stimme von Radio EINS Moderator Christoph Azone gehört zu meinen Lieblingsradiostimmen. Jeder Morgen ist ein schöner Morgen, höre ich die beiden Moderatoren des Schönen Morgen auf Radio EINS ~ Stefan Rupp und Christoph Azone. In der Regel haben Medienleute viel zu erzählen, die meisten Fragen sind auf Unternehmen und deren Strategien ausgerichtet. Lokalreport hat sich mit -fünf fragen in fünf minuten- für einen etwas privateren Stil entschieden, für eine andere Perspektive.

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Angenommen, du wärst Restaurantbesitzer, in welcher Stadt wäre das und wie würde dein Lokal aussehen?

Christoph: Am Mittelmeer wäre das, Fisch gäbe es, Muscheln und Meeresfrüchte, einfach und geradeaus zubereitet auf einfachen Tischdecken (kariert mit einer transparenten Plastikfolie darüber), dazu Wasser und Wein, der Fernseher läuft (Fußball) und in der Ecke summt ein blauglühender Fliegenfänger. Das Brot ist frisch. Natürlich.

Du eröffnest nächstes Jahr eine Bar auf Palm Islands in Dubai. Wie wird sie heißen?

Christoph: "Arabschwemme"

Wie reagierst du als Restaurantleiter auf eine unsittlichen Antrag eines männlichen Hollywoodstars?

Christoph: Kommt drauf an, wieviel Geld im Spiel ist...

Seine Heiligkeit der Dalai Lama kommt heute Abend mit Peter Sloterdijk zum Essen. Was kochst du?

Christoph: Scharfe Spaghetti. Keine Löffel.

Wenn du auf der Straße leben würdest, wie würde dein Tag aussehen?

Christoph: Dunkel.

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ein alter Hut und die Frage: Ist ein Slogan ein Claim?

Jean-Remy von Matt, Chef der führenden Kreativschmiede des Landes Jung von Matt, sagt, was Sache ist: Das Volk bestimmt, was zum Slogan wird.

Clausthalers nicht immer, aber immer öfter ist kein Claim, auch wenn der Konsument es oft als solchen bezeichnet. Der Claim / der Slogan / das wiederkehrende Markenmerkmal hingegen ist das: alles was ein Bier braucht

Die Fachzeitschrift w&v für Werber und Marketingleute hat in ihrer aktuellen Ausgabe gute und wenigergute Claims der größten Werbeagenturen des Landes im selbsternannten Härtetest unter die Lupe genommen. Unterstützt von einer Fachjury, darunter der BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, die Texterin Veronica Classen und Mc Donalds Deutschland-Marketing-Mann Thomas Hofmann.

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Den letzten Platz bekommt die Agentur YOUNG & Rubicam zugesprochen, mit dem flotten Slogan: Die Unternehmensagentur im Network – Juror und Vervielfältigungsexperte Kai Diekmann im klassischen fourletter Diktus seiner Zeitung: Viele Buchstaben, ansonsten ein unausgesprochen unästhetischer Begriff – nun, seine Aussage steht dem Claim der Agentur in nichts nach.

Die Agentur mit Sitz in Frankfurter/Main zählt Marken wie Bacardi, Land Rover, Alfa Romeo, Obstgarten, Volvic, ADAC zu seinen Kunden, um nur einige zu nennen.

Noch eine in Frankfurt ansässige Agentur landet mit dem Haus-Claim Populäre Kampagnen für populäre Marken auf dem vorletzten Platz. Ihr Wunderkind heißt Renault createur des Automobile – zugegeben ein wunderbarer Slogan, für die Seitennavigation der Agenturwebsite braucht es ein Studium in Audiovisueller Kommunikation. Juror Thomas Hofmann fragt: Und was ist mit unpopulären Marken? – genau, unpopuläre Marken werden ohnehin nicht von Publicis beworben.

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Jetzt aber nach vorne, den zweiten Platz belegt die Agentur die Agentur Scholz & Friends mit The Orchestra of Ideas. Diese Selbstaussagen spricht für Kai Diekmann die Gefühlsebene an, vermittelt ihm hohe Klangfrequenz und ein breites Repertoire. Na bitteschön, die assoziative Semantik tönt bis in die inneren Resonanzbauschen des BILD-Machers.

Den ersten Platz belegt laut Jury der Slogan der Agentur Jung von Matt – Ideen, die Tore öffnen. Nicht nur dran Klopfen – zugegeben originell, wenn auch für meinen Geschmack um einen Satz zuviel, das soll vermutlich Nachhaltigkeit suggerieren. ADC Mitglied, Dozentin und Texterin Veronica Classen denkt dabei sofort an das Trojanische Pferd, für sie ist die Aussage gar eine bestens verankerte Geschichte. Gesamtnot 1,6

Es wurden insgesamt 14 Agenturen im Auftrag der w&v unter die Lupe genommen. Die Jury erweckt den Anschein repräsentativ zu sein, steht stellvertretend für.. wofür eigentlich?

Ergebnisse dieser Art sind unerheblich und willkürlich, sie haben gerademal einen geringen unterhaltenden Wert, sie sagen ebensowenig aus wie das, was sie untersuchen und bewerten.

Da lob’ ich mir den neuen Berlinslogan: sei vision ~ sei inspiration

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öffentlich still sein

schöne idee! menschen treffen sich zu einem gemeinsamen still sein – absichtslos, ohne moralische oder kulturelle motivation, einfach so.

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die einladung

Mitten im Trubel des Alltags bleiben Menschen stehen und werden still.
Es ist keine Demonstration,
es ist keine Aktion,
es ist kein Widerstand,
kein Flashmob …

Es ist ein Moment der Stille.

Jeder kann mitmachen. Es braucht keine Vorkenntnisse oder Meditationserfahrung.

Montag, 16. März 2009, 14:15 – 14:25 Uhr

Hauptbahnhof Berlin, 1. Obergeschoss (vom Eingang eine Rolltreppe hoch)

Wie es abläuft:
Hauptbahnhof Berlin, 16. März, 14:15 Uhr, 1. Obergeschoss (vom Eingang
eine Rolltreppe hoch). Menschen, die scheinbar nichts miteinander zu
tun haben, bleiben irgendwo auf ersten Obergeschoss (also nicht als
Gruppe) zur gleichen Zeit stehen – als ob zufällig – und begeben sich
an dem Ort, wo sie stehen geblieben sind in Meditation. So bleiben sie
für 10 Minuten stehen und gehen dann weiter …

Mehr Information dazu unter: http://www.public-silence.de

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wie man als redaktionsleiter bei axel-springer mit einem lokalen blogger umgeht

ganz einfach.

angenommen, man arbeitet für ein großens verlagshaus und erhielte morgen post von einem blogger, könnte man wie folgt vorgehen.  man beantworte die mail nicht sofort, nein, man warte einige tage ab und bittet nach einiger zeit zu einem ersten kennenlernen. zu diesem termin kommt man natürlich nicht pünktlich, man läßt den blogger ein wenig warten, hört sich die ideen an, gibt sich [sehr] interessiert, fordert noch ein detailiertes konzept und visiert schonmal einen termin zu einer ersten publikation an: wir bauen unsere online-präsenz aus, sind jetzt auch bei twitter. so in zwei drei wochen – nach dem hoffnungsvollen treffen meldet man sich erstmal eine woche nicht, geht danach zwei wochen in urlaub und erwähnt ausdrücklich die nichterreichbarkeit[!?], gibt dem blogger bescheid: es ginge noch um technische details, nach dem urlaub gehe es aber los, mit dem täglichen blog – und einer wöchentlichen print-kolumne. wirklich? cool! der wässrig gemachte mund des bloggers sprudelt und kluckst in vorfreude und guter laune.

der blogger vergewissert sich bei sich selbst: habe ich doch richtig gehört, das ist sowas wie eine mündliche zusage?! – er geht in die welt hinaus und verkündigt seinen engsten freunden die erfreuliche entwicklung, sein social-netzwerk freut sich mit ihm, die gewissheit des absehbaren gibt ihm kraft, voller tatendrang plant er für die zukunft, denkt über abwrackprämie und andere kleine investitionen nach.

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tja, und jetzt kommts, das [doch]erwartete: gestern, nach einigen langen wochen des wartens und hinharrens, ruft der herr redaktionsleiter beim blogger an und verkündet die botschaft: das projekt online-blogger wird doch nicht über die bühne gehen, er könne das nicht alleine entscheiden, vielleicht in drei monaten, aber zum jetztigen zeitpunkt eher nicht.

hat er gesagt, eher nicht? hat er gesagt, wie er auch anderes gesagt hat, der schlag in gesicht und magengrube hat gesessen.

ein freund meinte auf meine erzählung unschlagbar treffend: naja, man darf nicht alles glauben, was menschen sagen – diese aussage wird mir eine lehre sein. seit gestern hat die twitternde online-abteilung meines unehrenhaften hoffnungsträgers einen follower weniger und ich einen grund mehr, meinen stil weiter anzubieten..

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was ein tisch über seine gäste aussagt

eigentlich nicht viel. in diesem fall verbreitet der zurückgelassene tisch etwas ordentliches, eine unaufgeräumte aufgeräumtheit. selbst mit detektivischtem spürsinn würde man daraus  nicht schließen können, dass an ihm noch vor wenigen minuten der deutsche außenminister dinierte.

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gut, man könnte vermutungen anstellen,  über anlass, gespräche und mögliche stratgien spekulieren, über privates. der rotwein etwa kommt aus dem selben keller des bevorzugten französischen winzers des ehenmaligen kanzler schröder, soetwas erkennt natürlich nur ein kenner. es liegt nahe, den beinahe schon imitierenden duktus des kanzlerkandidaten eine gewisse nähe selbst im lukullischen verhalten zu unterstellen. aber auch das ist von eher geringer bedeutung.

okay, man könnte sich mühe geben, ein raffiniertes gebilde konstruieren, ins schwärmen geraten, sich einschmeicheln – sich der lust hingeben.

und so ist es auch. ein ausgesuchtes 4-gänge menue in einem stadtbekannten knusperhäuschen unweit des kanzleramtes wird geboten – in der selben etage, in der letztes jahr barbara streisand einen abend verbrachte – in  begleitung einer unbekannten person, begleitet von einer [oder zwei] flaschen wein und zwei oder drei personenschützern – die ein tatsächliches foto des außenministers verhindern und dadurch zur inspirationsquelle werden, das ist nichts besonderes und verdient kaum erwähnung – aber nun.

mir gefällt die idee, hinterbliebene tische bekannter personen zu portraitieren, damit könnte man sich doch einen namen machen..[!?]

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PR in eigener sache oder was vom aktuellen community-streik auf qype zu halten ist

liebe qype- und strikewriter,

das streik-komitee lässt mich nicht unberührt. für mich ist das zwar nichts, aber so wie hier getrommelt wird, das kann man nicht überhören. dabei sehe ich die rebellion gegen das system qype ähnlich augenfällig, wie das redesign selbst, sie äußert sich quasi konvexkonkarv.

angestaute emotionen türmen sich, unflätigkeiten werden in hemmungsloser emotionalität ausgespuckt, user entblößen sich, werben um konvergenz, lassen die hosen runter, als gäbs kein morgen.
die angestauten aggressionen richten sich aber in erster linie gegen das system, man fühlt sich übergangen, erwartungen bleiben unerfüllt, und das ist auch die essenz der aufregung, es geht um -> nichterfüllte erwartungen.

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aber hey, qype ist ein mitmachportal, ein [bisweilen launischer] wirt für das publizieren von branchenbewertungen, selbst virtuelle beiträge wurden/und werden akzeptiert.
fakt ist: das portal gehört nicht der community, es ist keine AG, es ist ein start-up, eine verwirklichte idee, es will profit machen, die qypewriter profitieren dafür im gegenzug.
registrierte user können texte posten, kommentare schreiben, freundschaften aufbauen, beiträge bewerten [das argument überhaupt]. im gegenzug bietet qype eine international agierende plattform, resonanz und beachtung im weltweiten web 2.0 – winwin also.

das feedback-system rauszuwerfen, war vermutlich eine launische PR-idee, ein reaktionstest, jedewette wird man das ranking bald re-aktivieren.

das redesign im ganzen ist unausgegoren und wenig gelungen, es aber so dermaßen zu verteufeln, halte ich für total überdreht und hochgradig neurotisch, die meisten der kommentare kann man einfach nicht ernst nehmen – und communitierende  als massenbewegung schon gleich gar nicht..

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