Monatsarchiv: Dezember 2008

tony blair und DIE ZEIT – und die zehn gebote

in der aktuellen ZEIT ist ein interview mit tony blair, er outet sich als religiös, betont die stärkung, die er durch seinen glauben erfährt. was blair zur glaubensfrage beiträgt, ist anachronistischer 10-gebote-konformismus, keine spur von spirituellem verständnis klingt in seinen worten, keine neue idee zur konfliktbewußtwerdung unter verfeindeten glaubensrichtungen, keine schattenarbeit – no new age. im grunde geht es ihm lediglich um die behauptung einer position, um das beharren seiner sicht.

in diesem blairschen duktus agieren die politischen köpfe seit ewigen zeiten, wehren sich, ihre feinde zu verstehen, schauen nicht tief genug in ihre eigene seelenwelt. der rhetorische überbau eines monster-egos sträubt sich mit all seiner dialektischen routine gegen veränderung. veränderung kann nur im selbst beginnen, nicht als forderung und nicht als politisches druckmittel.

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es wird zeit, dass sich religiosität in spiritualität wandelt, dass die menschen von menschen berührt werden, von der größe und weitsicht ihrer politischen köpfe, dass erkannt wird, dass alles was wir bekämpfen und hassen, als unterdrückter schatten in uns selbst lebt, dass wir lernen, uns selbst zu verstehen und uns zu achten, weil nur darüber wirkliche entwicklung stattfinden kann.

tony blair jedenfalls muss noch vieles lernen. natürlich macht es was her einen ehemaligen premierminister in jerusalem zu interviewen, aber wirklich erhellnd oder gar interessant, war es nicht. an gott und an feinde glauben, ist nicht mehr als ein an die grenzen des selbst angekommenen alibi-konzepters.

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an der kasse sind alle menschen gleich

gestern im supermarkt steht ein mann mit seinem jungen vor mir an der kasse, er hat zu wenig geld dabei, kann einige sachen nicht bezahlen, muss marmelade und bitter lemon zurückgeben, auch schokolade und toast, in mir regt sich ein gefühl, es ist heiliger abend, und überhaupt.

er bleibt ruhig, sagt: schon blöd, wenn man nicht genug geld hat – diese worte treffen ins herz meines mottos, ich  krame nach meinem portemonaie, will helfen, es ist ist nicht da, habe es zuhause liegenlassen, ausgerechnet heute, das passiert mir nie. jetzt sind wir schon zwei ohne geld, sage ich. der mann schaut mich an, bedankt sich für die absicht, die marmelade und schokolade müssen da bleiben, auch mein einkauf bleibt zurück, die leute in der schlange haben feuchte augen, die kassiererin lächelt,  für einen moment fühle ich mich mit den armen dieser welt verbunden [dieser satz klingt so unglaublich  blöd, als sei er direkt aus der BILD-feder FJ Wagners diktiert].

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natürlich ist es etwas anderes, über geld zu verfügen und es einfach nur vergessen zu haben oder wirklich keins zu haben und natürlich könnte man jetzt den großen allegorischen bogen spannen und aus der begegnung ein 20000zeichen-essay formen, über haben und nichthaben, über krisen, gier und reiche länder, über spekulanten, ausbeutung und niedriglohnländer parlieren. aber es ist weihnachten und es geht nur um einen gedanken, eigentlich nur um mich, um mein verbundensein mit der welt – genau darum geht es, nur darum.

was war noch der gedanke? an der kasse sind alle menschen gleich, genau. denke es und lächle über die banalität des lebens an der supermarktkasse des lebens..

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Die 3. Schriftrolle der Essener

heute ist heiliger abend,  die welt feiert jesus geburtstag.

3. S C H R I F T R O L L E
Inhalt der dritten Schriftrolle, die von den Essenern in vorchristlicher Zeit aufgezeichnet und in
einer Felsspalte am Toten Meer aufgefunden wurde.

* * * * * * *

Für alle meine Gedanken und Handlungen gibt es einen Grund, nämlich die Erwartung eines für mich günstigen Ergebnisses. Wenn ich Tagträume, erwarte ich vielleicht, der Langeweile zu entgehen oder zu erleben, daß meine Vorstellung Wirklichkeit wird. Vielleicht erwarte ich tieferes Wissen, Bewußtsein oder gesteigertes Denkvermögen. Oder ich mache mir Sorgen, um mich davon zu überzeugen, daß ich ein verantwortungsbewußter Mensch bin. Es gibt die verschiedensten Wünsche und Erwartungen, sogar solche, die ich nicht gerne eingestehen möchte.

Manchmal bin ich getrieben vom Wunsche nach Geld und Besitz; dann sind meine Gedanken und Handlungen darauf gerichtet.

Ich mag getrieben sein durch ein Bedürfnis nach Applaus und Zustimmung. Ich möchte den anderen gefallen.

Oft bin ich durch den Drang motiviert, recht zu haben. Ich mag es gar nicht, daß meine Ansichten und Handlungen als falsch eingestuft werden.

Manchmal ist der Wunsch nach Vergnügen die Triebfeder; das Leben soll mir etwas bieten und mich befriedigen. Doch der stärkste Antrieb für meine Gedanken und Handlungen ist meine Sehnsucht nach Liebe.

Wenn ich mich geliebt weiß, habe ich wenig Verwendung für Geld. Manchmal gibt es mir zwar ein Gefühl der Sicherheit, aber nicht entfernt so nachhaltig wie es die Liebe vermag.

Wenn ich mich geliebt weiß, brauche ich Applaus und Zustimmung nicht; Liebe ist an sich schon
Beifall und Zustimmung.

Wenn ich mich geliebt weiß, brauche ich nicht recht zu haben. In Gegenwart eines Menschen, der mir seine Liebe schenkt, brauche ich mich meiner Fehler nicht zu schämen; ich schätze es sogar, wenn er mich liebevoll auf sie aufmerksam macht.

Wenn ich mich geliebt weiß, gibt es für mich kein größeres Vergnügen; andere Vergnügen sind fade oder lediglich ein Mittel, meiner Liebe Ausdruck zu verleihen und Liebe zu erleben.

Nichts befriedigt tiefer als Liebe. Wenn ich mich geliebt weiß, so bin ich zufrieden, jedoch nicht
selbstgefällig. Ich werde weiterhin zu Gedanken und Handlungen angetrieben, habe Ziele, Ideale,
sogar Ehrgeiz. Aber meine Ziele und mein Ehrgeiz sind nicht mehr Ausdruck der Unsicherheit; ich
brauche niemandem mehr etwas zu beweisen.

Wenn ich mich geliebt weiß, sehe ich mich zu liebevollem Handeln veranlaßt. Ziele und Ehrgeiz sind Ausdruck meines Bedürfnisses, Freude zu geben und zu teilen.

Liebe ist eine Überlebensfrage. Ich brauche Liebe oder einen Liebesersatz, buchstäblich um überleben zu können. Viel zu viele Menschen sind aus Mangel an Liebe gestorben. Für Liebe gibt es mannigfaltigen Ersatz: Macht, Geld, materiellen Besitz, Popularität und Ruhm. Sogar Abscheu und Haß sind Liebesersatz. Jede Form markanter Beachtung kann als Liebesersatz dienen.

Liebesersatz befriedigt indessen nicht wirklich. Bestenfalls bietet er nur zeitweilige Betäubung und
ruft wie ein Rauschgift nach Steigerung. Ist Macht mein Liebesersatz, so brauche ich heute mehr
davon als gestern. Das gleiche gilt für Geld, Haß, Mitleid und alle anderen Formen markanter
Beachtung, mit Ausnahme der Liebe.

Alle Menschen wollen das Gefühl haben „es macht etwas aus, daß ich lebe.“ Deshalb halten wir alle Ausschau nach Bestätigungen und Zeichen, aus denen wir schliessen können, daß „es etwas ausmacht, daß ich existiere.“ Jede zugefügte Unbill, jeder Streit und jeder Krieg ist Ausfluss des Hungers nach Anerkennung der Tatsache, „daß ich etwas ausmache.“ Jedes jemals begangene Verbrechen ist die Folge dieser Lebensnotwendigkeit. Der Verbrecher sagt sich im innersten Herzen, „ich mache etwas aus, und wenn mir diese Gewißheit nicht gütlich zuteil wird, so werde ich euch zeigen, daß man mit mir zu rechnen hat.“ Selbst Völker hegen diesen gemeinsamen Gedanken: „Mit uns hat man zu rechnen. Und wenn eure Worte und Handlungen dies nicht zum Ausdruck bringen, so töten wir eure jungen Männer, wie wenn es auf sie nicht ankäme, und das wird euch veranlassen zu erkennen, daß man mit uns zu rechnen hat.“

Dieses Bedürfnis nach Anerkennung der Tatsache, daß ich wichtig bin, ist nichts anderes als der
Wunsch, geliebt zu werden. Wenn ich geliebt werde, so weiß ich, daß ich von Bedeutung bin, daß meine Existenz für den oder die Menschen, die mich lieben, wichtig ist. Ich brauche keinen anderen Beweis. Ich werde geliebt, das genügt.

Ich habe einen Körper, eine Persönlichkeit, Verstand und Geist. Ein kleines Kind wohnt in mir; es
ist der kindliche verwundbare Teil meiner selbst. Alle diese „Teile“ bedürfen der Liebe, um gesund
zu bleiben und zu überleben. Ich bin für sie verantwortlich. Vielleicht empfange ich Liebe von
anderen, vielleicht auch nicht. Die anderen werden mein Wesen nicht immer billigen oder mir
zustimmen. Oft werden sie mir sogar zu verstehen geben, daß sie mich für völlig bedeutungslos
halten. Jedoch dieses eine weiß ich:

ICH WERDE GELIEBT.

0b ich mich geliebt weiß, ist mein Entscheid und meine Verantwortung. Ich akzeptiere die
Verantwortung, all das zu lieben, was ICH BIN. Jeden Tag will ich mehrmals daran denken, daß ich geliebt bin. Ich selber liebe mich. Ich bin mir selber wichtig, ganz gleichgültig, ob es anderen von Bedeutung scheint oder nicht, daß ich lebe, und das genügt.

Ich möchte gewiß von anderen geliebt werden; wenn mich aber auf der ganzen Welt niemand liebt, bin, ich doch goldrichtig. So habe ich beschlossen: ICH WERDE GELIEBT. Ich will die anderen lieben und selber geliebt werden. Ich liebe die anderen, ob sie mich lieben oder nicht. Es gibt keinen Grund, irgend jemanden meiner Liebe zu berauben. Ich anerkenne aus freien Stücken, wie wichtig es ist. „daß Du lebst.“ Ich möchte das den anderen so deutlich zu verstehen geben, daß sich niemand veranlaßt fühlt, seine Wichtigkeit durch bösartige Handlungen unter Beweis zu stellen.

Der empfindlichste Mangel in der Welt ist der Mangel an Liebe. Der Hunger nach Liebe ist die Wurzel aller Verbrechen, auch der Grund aller Schmerzen und Leiden. Mangel an Liebe und Anerkennung ist auch der tiefere Grund aller Kriege. Hunger, Armut und Mißtrauen sind die Folgen von Liebesersatz und schreien nach wahrer Liebe.

Liebe vermag Jedes Übel in der Welt zu ändern, den Krieg zu verhindern und Frieden zu bringen. Liebe ist der geheime Weg, eine Gesellschaft ohne Verbrechen herbeizuführen. Liebe kann eine ausgeglichene Verteilung der Güter dieser Erde bewirken und allen zu einem menschenwürdigen Dasein verhelfen. Da wo die Wohlhabenden die Habenichtse lieben, gibt es keine Armut.

Heute mache ich die Liebe zu meiner Pflicht. Ich will mithelfen, die Erde zu verändern. Ich kann
schon heute im Himmelreich leben. Es ist dies ein Bewußtseinszustand, in welchem ich mich geliebt weiß und andere vorbehaltlos liebe. Von heute an liebe ich mich selbst.
Ich liebe, was ICH BIN. Ich liebe nicht all das, was ich getan habe. Ich Liebe meine Fehler nicht, aber ich würdige das, was ich aus ihnen gelernt habe, und Liebe mich, auch wenn ich Fehler mache.

Ich vergebe all denen, die mich nicht lieben und vielleicht nicht lieben können. Ich liebe sie
trotzdem.

Heute entlasse ich meine Familie, meine Freunde und meinen Ehepartner aus der Tyrannei meines
Hungers nach Liebe. Nicht länger werde ich ihnen durch Worte oder mein Verhalten zu verstehen geben:
„Ich brauche Deine Liebe; ich bin verletzt und werde böse, wenn Du mich nicht liebst.“
Von heute an Liebe ich mich selbst.

Copyright 1983, The Paul Solomon Foundation

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Die 2. Schriftrolle der Essener

ein gebet einen tag vor heiligabend.

2. S C H R I F T R O L L E
Inhalt der zweiten Schriftrolle, die von den Essenern in vorchristlicher Zeit aufgezeichnet und in
einer Felsspalte am Toten Meer aufgefunden wurde.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Ich besitze im Überfluß, wessen alle Menschen bedürfen. Ich bin eine Quelle der Liebe und Anteilnahme.
Dies ist das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens: Es gibt keine größere Macht und Kraft als die
Liebe. Muskeln können einen Schild spalten und sogar Leben vernichten, doch nur die unsichtbare
Kraft der Liebe kann Herzen öffnen und die Seele nähren. Solange ich die Kunst der Liebe nicht
beherrsche, kann ich dem Zwecke meines Daseins nicht genügen. Liebe ist das wirkungsvollste Mittel für den Zugang zu Mitmenschen, dem sich niemand verschließen kann. Meinen Gedankengängen mögen sie widersprechen, mein Gesicht ablehnen, meine Ideen mögen Argwohn erregen, meine Liebe jedoch wird Herzen erweichen, so wie die Sonnenstrahlen das härteste Eis zum Schmelzen bringen.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Wie verwirkliche ich sie? Ich werde alle Dinge mit Liebe betrachten und werde wiedergeboren sein. Ich liebe die Sonne, die mich erwärmt; ich liebe aber auch den Regen, der meinen Geist reinigt. Ich liebe das Licht, denn es zeigt mir den Weg; doch ich liebe auch die Finsternis, denn sie zeigt mir die Sterne.
Ich heiße das Glück willkommen, das mein Herz erweitert; ich will aber auch Traurigkeit ertragen und sie zu meinem Besten wenden. Ich will Belohnungen annehmen, denn sie stehen mir zu; aber auch Hindernisse werde ich begrüßen, denn sie fordern mich heraus.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Und wen will ich lieben? Ich liebe meine Quelle, die mir das Leben verliehen hat. Mit tiefer
Dankbarkeit anerkenne ich, wie herrlich ich erschaffen bin, in Anlage und Aufbau so vielfältig und
wunderbar, daß die Vorstellungskraft es nicht erfassen kann. Ich erkenne, wie fair und empfänglich
ich bin, so sehr, daß meine Gedanken und meine Überzeugungen mich zu heilen vermögen und mich froh und leistungsfähig machen können, daß sie aber auch imstande sind, das erstaunliche Gebilde zu zerstören, das ich von meinem Schöpfer empfangen habe. Ich liebe meine Quelle, die mir das Leben und alle Möglichkeiten verliehen hat. Ich erkenne, daß mich meine Quelle mit zahlreichen Möglichkeiten der Wahl und der Erfahrungen ausgestattet hat. Ich kann das Gute oder das Böse, Freude oder Traurigkeit wählen. Dafür liebe ich meine Quelle, und so lange ich liebe, werde ich die Möglichkeiten der Wahl erkennen. Erfüllt von meiner Liebe bin ich dankbar für das, was ich bin.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Und wie werde ich reden? Ich mache es zu meiner Pflicht, Lob zu finden und auszudrücken für meine Feinde, und sie werden zu Freunden. Niemand ist ein Feind, es sei denn, er wurde verletzt. Ich bin dazu geboren, Liebe zu geben und Vorbild zu sein für alle, die andere verletzen. Niemand ist böse, es sei denn, er fühlt Schmerz; meine Liebe lindert Schmerzen. Ich will meine Freunde ermutigen, und sie werden zu meiner Familie zählen. Immer will ich nach Gründen für ein Lob suchen, niemals nach Ausflüchten, um üble Nachrede zu entschuldigen. Wenn ich versucht bin, Kritik zu üben, werde ich mich in die Zunge beißen; wenn ich zum Lobe bewegt bin, werde ich dafür sorgen, daß es gehört wird.

Sprechen nicht die Vögel, der Wind, das Meer und die ganze Natur mit Musik das Lob ihres Schöpfers? Kann ich nicht mit der gleichen Musik sprechen, um zu offenbaren, daß Er mich nicht armselig erschaffen hat? Ich muß wissen, daß alle Menschen so wunderbar geschaffen sind wie ich, und daß es so wie mir auch den anderen schwerfällt, diese Schönheit und Vollkommenheit zu zeigen. So will ich denn meine Quelle lieben, indem ich ihr Schöpfungswerk in allen Menschen und in der ganzen Natur liebe. Ich will hinfort stets an dieses Geheimnis denken, und es wird mein Leben verändern.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Und ich liebe nicht nur deshalb, um freundlich und nett zu erscheinen, obwohl auch das schon viel
bedeutet. Ich liebe vor allem, weil Liebe wirkt und weil sie mein bestes Werkzeug ist, um mit den
Lehren des Lebens fertig zu werden und seine Möglichkeiten zu nutzen. Ich liebe, weil mich die Liebe stark macht und weil sie Ergebnisse zeitigt. Mit ihr werde ich die Mauern aus Mißtrauen und Haß niederreißen, welche Menschen um ihre Herzen errichtet haben und an ihrer Stelle werde ich Brücken bauen, so daß meine Liebe Zugang zu ihren Seelen findet. Ich liebe die Ehrgeizigen, denn sie können mich begeistern. Ich liebe die Versager, denn sie belehren mich. Ich liebe die Könige, denn es sind Menschen. Ich liebe den Demütigen, denn er ist göttlich. Ich liebe die Reichen, denn sie sind so allein! Ich liebe die Armen, die so zahlreich sind. Ich liebe die Alten, denn sie haben teil an der Weisheit. Ich liebe die Schönen, deren Augen Traurigkeit verraten, und die Häßlichen, die den Frieden haben.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Aber wie werde ich auf die Handlungen der anderen antworten? Mit Liebe. Denn so wie die Liebe meine Waffe zur Öffnung der Menschenherzen, ist sie auch mein Schild, um die Pfeile des Hasses und die Speere des Zornes abzuwehren. Gegnerschaft und Entmutigung werden gegen meinen neuen Schild schlagen wie sanfter Regen. Mein Schild wird mich auf dem Marktplatz schützen und wenn ich allein bin. Er wird mich in den Augenblicken der Verzweiflung stützen und mich beruhigen, wenn ich mich hinreißen lasse. Ich werde mit seiner Hilfe stärker und geborgener, bis ich Ihn eines Tages zur Seite stellen und unbeschwert unter den Menschen einherschreiten kann. Dann werde ich in ein neues Leben eingehen.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Wie werde ich mich denen gegenüber verhalten, die mir begegnen? Nun in dieser Weise: Mit innerer Ruhe, und indem ich wortlos zu ihm sage: Ich liebe Dich. Obwohl unausgesprochen, werden diese Worte in meinen Augen aufleuchten, meine Brauen glätten, ein Lächeln auf meine Lippen zaubern und in meiner Stimme mitschwingen. Und sein Herz wird sich öffnen. Wer wird zu mir nein sagen können, dessen Herz meine Liebe fühlt?

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

Und vor allem werde ich mich selbst lieben. Deshalb werde ich eifrig alle Dinge prüfen, die in
meinen Körper, meine Gedanken, in mein Herz und meine Seele dringen. Nie werde ich den Begierden meines Fleisches nachgeben, sondern meinen Körper mit Reinheit und Maßhalten pflegen. Ich werde es meinem Gemüt nicht erlauben, zu Übel und Verzweiflung hinzuneigen, sondern ich werde meinen Sinn mit ewiger Erkenntnis und Weisheit stärken. Nie werde ich meiner Seele erlauben, selbstzufrieden zu werden, sondern ich werde sie nähren mit Meditation und Gebet. Nie werde ich meinem Herzen gestatten, klein und bitter zu werden, es vielmehr ausdehnen und mit anderen teilen, so daß es die Erde wärmt. Was ich bin, braucht Liebe, und es ist meine Verantwortung, all das zu lieben, was ICH BIN. Geborgen in dieser Liebe bin ich frei, anderen Liebe zu geben.

Ich grüße diesen Tag mit meiner Verpflichtung zur Liebe.

An diesem heutigen Tag liebe ich die ganze Menschheit. Von diesem Augenblick an ist jeder Haß aus meinen Adern verschwunden, denn ich habe keine Zeit zu hassen, nur Zeit zu lieben. Von jetzt an unternehme ich den ersten Schritt, um ein Mensch unter Menschen zu sein. Mit der Liebe wächst meine Leistungsfähigkeit, und ich lebe als Kind Gottes. Auch wenn mir alle anderen Fähigkeiten fehlen, werde ich allein durch die Liebe erfolgreich sein. Ohne sie müßte ich scheitern, auch wenn ich alle Kenntnisse und Geschicklichkeiten der Welt besäße.

Ich grüße diesen Tag mit Liebe und bin gesegnet.

Copyright 1983, The Paul Solomon Foundation

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Die 1. Schriftrolle der Essener

jedes jahr um diese zeit überkommen mich gedanken an eine andere innere welt, eine höhere selbstwelt, an ein heiliges lebes. die essener schriftrollen dienen mir als meditations-affimation, ich versenke mich, gehe ins licht, gebe mich den edlen worten hin. ab heute werde ich jeden tag eine schriftrolle bloggen.

1. S C H R I F T R O L L E
Inhalt der ersten Schriftrolle, die von den Essenern in vorchristlicher Zeit aufgezeichnet und in
einer Felsspalte am Toten Meer aufgefunden wurde.

* * * * * * *
Mein Herz ist ein Garten, genannt Eden. Mein Garten ist fruchtbar und schöpferisch. Die Samen die in meinen Garten fallen, brauchen nur geringe Förderung, um zu blühen. Wie der Urgarten Eden kann er ein Segen oder ein Fluch sein. Ein ungepflegter Garten wird zu einem Dschungel, und kein Garten bringt mehr Wachstum hervor als der Garten meines Herzens und meines Gemütes.

Wenn Unkraut und Disteln gepflanzt werden, so sind sie es, die wachsen. Sie werden die Blumen meines Herzens, die Lebensfreude, ersticken und verderben.

Der Meister hat gesagt: “Wie der Mensch in seinem innersten Herzen denkt, so ist er.” Was ich in
meinem Garten gepflanzt habe, ist, was ich bin, oder besser gesagt, ist, was ich glaube zu sein, und
alles, was ich je in meinem Leben erfahren werde, ist, was ich im Garten meines Herzens pflanze.

Wenn ich Samen des Schmerzes und der Zurücksetzung säe, so pflanze ich in meinen Garten die
Überzeugung, ungeliebt zu sein, pflanze Dornen des Schmerzes und der Benachteiligung, Selbstmitleid wird die Erfahrung meines Lebens sein.

Ich bin ein Gärtner. Mein Herz ist mein Garten. Man nennt es auch das Unbewußte oder das
Unterbewußte. Ob Herz oder Gemüt mein Garten ist der Ort, wo ich Worte, Gedanken Überzeugungen und Ideen gepflanzt habe. Diese Samen sind lange gepflegt worden und haben als Früchte die Art und Weise erzeugt, wie ich die Welt sehe und erfahre.

Ich bin ein Gärtner und ein Denker. Meine Gedanken kommen aus meinem Garten, und meine Worte und Gedanken säen wiederum die Blumen oder das Unkraut.

Wie jedermann spreche auch ich zu mir selbst. Meine Gedankenwelt ist jeden wachen Augenblick tätig und mein Sinn ist voller Worte, Gedanken und Meinungen. Die Worte und Gedanken, die Meinungen und Überzeugungen sind Erzeugnisse meines Gartens, und sie sind wiederum Samen und Dünger für meinen Garten, so daß die Pflanzen, die darin wachsen, seien sie gut oder schlecht, jeden Tag stärker werden, tiefere Wurzeln schlagen und immer überzeugender wirken.

Mein Sinn ist voller Überzeugungen, Gewohnheiten und Beschreibungen. Wenn ich in einem Gesicht einen Ausdruck sehe, neige ich dazu zu sagen: “Das bedeutet…”, und wenn meine Interpretation für mich vorteilhaft zu sein scheint, reagiere ich mit einem Aufleuchten von Befriedigung und beglückwünsche mich. Sagt meine Interpretation aber, der Gesichtsausdruck sei unfreundlich gewesen und bedeute Ablehnung und Mißbilligung, so lasse ich in mir ein Gefühl des Verletztseins hochkommen und tadle die Person, deren Gesichtsausdruck ich interpretiert habe.

Ich war mir bis jetzt nicht bewußt, daß das Muster für meine Interpretation in meinem eigenen Garten gewachsen ist. Ich war mir nicht gewahr, daß Vertrauen und Selbstwertgefühl, das Wissen, daß ich goldrichtig bin und geliebt werde, Blumen aus meinem eigenen Garten sind.

Von heute an beginne ich ein neues Leben. Ich pflanze einen neuen Garten und ernte neue Gedanken und Überzeugungen.

Ich bin verantwortlich für die Gedanken, die ich hege. Ich bin überzeugt, daß ich zu mir selber
spreche, wie ich das ja auch immer schon getan habe.

Ich bin der Meistergärtner meines Lebens. Ich kann nunmehr die Verantwortung für das übernehmen, was ich zu mir selber sage. Ich bin verantwortlich für meine Überzeugungen. Wie ich mich jeden Tag fühle, wird das Resultat dessen sein, was ich zu mir selber sage und was ich immer wieder zu mir gesagt habe.

Wenn ich es sehr schwierig finde, wunderbare und liebevolle Urteile über mich selbst zu mir zu
sagen, so kommt das daher, daß diese einsam stehende kleine Blume des Selbstwertes, die ich heute
pflanze, von den Tausenden, ja Millionen Unkräutern, die ich gepflanzt und genährt habe, fast
erstickt wird.

Heute pflanze ich einen neuen Garten. Es ist ein Garten der Freude und neuen Lebens. Die Erzeugnisse meines Gartens werden Gesundheit, Wohlstand und Güte sein. Mein neuer Garten wird mich ernähren mit vielfältigen, bedeutungsvollen Freundschaften. Frohsinn und Zufriedenheit werden im Garten meines Herzen reifen.

Wucherndes Unkraut ist in meinem Garten, weil ich immer wieder an Mangel und Einschränkungen gedacht habe. Samen werden gesät durch Wiederholung. Es bildet sich ein Gedankenmuster, und das Unkraut wird bewässert und genährt, so oft ich mit Zurücksetzung, Demütigung, Zorn, Groll oder Eifersucht reagiere.

Auch mein neuer Garten wächst durch Wiederholung. Neue Gedanken bauen sich auf zu neuen Denkmustern, und freudige, kräftigende, nährende Gedanken werden zu verwurzelter Gewohnheit. Mein neuer Garten wird mein neues Leben, meine neuen Sitten und eine neue Weise, mich selbst zu sehen.

Heute fange ich an, eine neue Gewohnheit anzunehmen. Ich schaffe starke und tiefe Wurzeln
verantwortungsbewußten Denkens, indem ich mich an das folgende tägliche Programm halte:

Die Schriftrolle, die ich in der Hand halte ist ein “Bija” (ausgesprochen bi-ha). Das Wort Bija
bedeutet Samen. Die Bija-Schriftrollen enthalten die Samen fröhlicher, positiver, liebevoller und
gesunder Gedanken, die in meinem Garten wachsen sollen.

Ich will mich mit solchen Gedanken mit aller Sorgfalt vertraut machen und darüber wachen, daß sie
meinen Sinn erfüllen mit neuen Überzeugungen, Denkmustern und Handlungsweisen.

Jeden Tag werde ich meinen Sinn, mein Herz und meinen Garten in gleicher Weise wie meinen physischen Körper ernähren.

Jeden Tag werde ich die Worte dieser Schriftrolle wie eine Mahlzeit zu mir nehmen und die darin
enthaltenen Gedanken verdauen. Das erste Mal werde ich sie beim Aufstehen lesen, damit die ersten Gedanken meines Tages, die meine Gemütslage und meine Erwartungen bestimmen, nährend und heilend sind und mich zur göttlichen Quelle meines Seins erheben.

Ich werde die Bija-Schriftrolle wieder zur Mittagszeit lesen, um die starken Wurzeln meiner neuen
Denkgewohnheiten und einer neuen Lebensweise zu ernähren. Und jeden Abend werde ich die
Bija-Schriftrolle lesen, so wie ich stoffliche Nahrung zu mir nehme.

Ein viertes Mal werde ich die Schriftrolle wiederholen, wenn ich zu Bett gehe, damit ich mit den
Gedanken einschlafe, die ich für meinen schönen Garten ausgewählt habe.

Ich werde die Worte dieser Bija-Schriftrolle schweigend oder laut während dreißig Tagen viermal
wiederholen. Dann will ich mich der zweiten Schriftrolle zuwenden.

Dazu verpflichte ich mich heute.

Ich will in mir einen neuen Garten pflanzen. Heute übernehme ich die Verantwortung für die Gedanken, die ich hege, und für alles, was ich glaube.

Ein Jahr lang werde ich diese Übung auf mich nehmen. Jeden Tag werde ich meinen Sinn und mein Herz viermal mit “Samen-Gedanken” füllen und dadurch mein Wesen verändern.

Es gibt zwölf Bija-Schriftrollen. Jeden Monat für ein Jahr werde ich eine neue Bija-Schriftrolle
vornehmen, um meinen Garten mit neuem Leben zu erfüllen.

Dazu verpflichte ich mich heute vor mir selber.

Ich werde nicht wanken.

Ich bin mir selber wichtig genug, um meine Verpflichtung einzuhalten und ein neues Leben aufzubauen.

Heute habe ich ein neues Leben begonnen, einen neuen Garten angelegt, und ich bin erfüllt von Dankbarkeit.

Copyright 1983, The Paul Solomon Foundation1

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wie man die zeit zwischen datenbankserverausfall und sich selbst verbringt

heute morgen stand ich vor geschlossener pforte, die site zum portal ließ sich nicht öffnen, verwehrt den zugang.  mmhhh.. man probiert es nochmal, und nocheinmal, wieder und wieder, wird zunehmend ungeduldig, nervös, genervt, steht auf, mags nicht glauben, probierts nochmal, lacht hysterisch, schickt einen zynischen dank an das universum, geht derweil auf eine andere site, schmirgelt ein wenig rum, beantwortet eine mail, rhythmusstörung im darm sucht man einen anderen ort auf, kehrt zurück, schenkt sich tee nach, probierts erneut. allmählich wird es turkeysch, eine stelle am kopf beginnt zu jucken, laut schreit man hinaus: was soll das denn, verdammte kacke nochmal?

september-028

man belächelt sich und seine selbstdisziplin, twittert das dilemma, man ist nicht allein, klagende gesinnungsverbündete twittern zurück, man verläßt das haus, geht frühstücken, denkt nicht mehr dran, gönnt sich eine doppelte portion koffein. nach einer stunde toleranzverschiebung kehrt man zurück zum arbeitsgerät, probierts aufs neue, der kopf beginnt zu jucken, das portal ist wieder erreichbar – alles ist gut!

was aber macht man ohne gewohnheiten, ohne aufgabe, ohne gebrauchtwerden? vielleicht sollte man seinen eigenen gedankenbankserver täglich für eine stunde ausfallen lassen und zufälligkeiten als willkommene boten des analogen universums sehen[?] ja, vielleicht.

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albert heiser erfindet das rad des aquarells neu

mein freund albert ist werbefilmer, dozent, buchautor und maler. vor einigen jahren hat er das rad neu erfunden, das aquarell, die aquarellmalerei. den entstehungsprozess seiner arbeit hat er dokumentiert und daraus einen film gemacht, einen spannenden.

Central Graden II. Die Neuentdeckung des Aquarells, Video 7 Min.

Ein Maler filmt? Nein, der Maler malt, fotografiert jeden Malfortschritt und schneidet daraus ein siebenminütiges Video. 50 Aquarelle entstanden in 3 Jahren und zu jedem durchschnittlich 15 Fotos der Malfortschritte. Multipliziert man die Anzahl der Aquarelle 50 mit den 15 Fotos so entstanden 750 Einzelbilder. Die Grundlage für das Video. Zusammen mit dem Cutter Rob Myers, Schnittbar Berlin, entstand ein jahreszeitlicher Zyklus. Zu sehen unter: http://www.albertheiser.de
wilde_rosen
Albert Heiser dokumentiert akribisch den Malprozess und legt offen, was anderegerne verbergen. Es werden Einblicke in das Geheimnis des Malprozesses gewährt. Rhythmik, Musikalität und die inhaltliche Bindung zu den Originalwerken sorgen für ein eigenständiges Werk.
lowenmaulchen0
Albert Heiser hat das Aquarell neu entdeckt. Gemalt wie in Öl, brechen seine Aquarelle mit der Konvention. Seine Bilder sind subversiv und berauschen. Voll gesogen vom Augenblick, setzen sie unvermittelt Gefühle frei.

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